Yang Guifei – Die Konkubine des Kaisers

Opern-Uraufführung an der HfMT

14. Februar 2014 13:33 Uhr
Yang Guifei - Die Konkubine des Kaisers

Im alten China ging man mit Feinden nicht zimperlich um

Text: Stephanie Schiller | Foto: Godot/Schiller

Uraufführungen von Opern haben noch immer Seltenheitswert. Noch seltener kommt es vor, dass eine solche Uraufführung von der Idee über die Komposition bis zur Aufführung an einer Hochschule stattfindet und sozusagen alle mit anpacken. In Hamburg ist dies nun gelungen. Am Sonntag, 23. Februar, wird im Forum der Musikhochschule die Oper „Yang Guifei – Die Konkubine des Kaisers“ uraufgeführt – komponiert von der Promotionsstudentin Yijie Wang nach einem Libretto von Sören Ingwersen, einstudiert mit Sängern, Choristen und dem Orchester der Hochschule für Musik und Theater sowie einigen chinesischen Gastmusikern. Rund um dieses seltene Ereignis finden ab dem 19. Februar zusätzlich Vorträge, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen statt.

Erzählt wird die Geschichte einer historischen Figur – Yang Guifei (715–756). Sie ist künstlerisch begabt und politisch versiert, gehört bis heute zu den vier schönsten Frauen des alten China. Sie wird Konkubine des Kaisers, der sie zur Frau an seiner Seite macht, gerät in der zu Ende gehenden Tang-Dynastie in die Intrigen der Politik und kommt schließlich darin um. Eine tragische Gestalt, bester Opernstoff. Librettist Sören Ingwersen war von dem Material sofort begeistert: „Liebe, Macht, Intrige, Tod – kann man sich einen schöneren Stoff für eine Oper wünschen?“ Nein. Das ist Oper.

In der Mitte der ästhetisch reduziert gehaltenen Bühne von Dominik Neuner die Andeutung eines Bades. Als sich Yang Guifei, die spätere Frau des Kaisers Xuanzong, im Bad des Palastes das erste Mal vor ihm entblößt, wird auf ihrem Rücken ein Tattoo sichtbar, ein chinesisches Schriftzeichen: Was ich habe, hast Du nicht. Es drückt das Eigene gegenüber dem Anderen aus, auch den Willen zur Autonomie. Es wirkt wie die Kampfansage einer Frau, die wie alle Frauen im China des 8.Jahrhunderts, eigentlich nichts wert ist. Es ist Ausdruck einer Persönlichkeit, die offensichtlich bereit ist, sich zu widersetzen; und die beides will – lieben und regieren.

Für Yijie Wang, die bereits am Konservatorium in Peking Komposition studiert hatte, bevor sie 2006 an die HfMT zu Prof. Peter Michael Hamel kam, liegt die Herausforderung des Stoffes nicht nur in dem Mythos, der Yang Guifei umweht, sondern auch darin, diesen Stoff ihrer Heimat mit Europa zu konfrontieren. „Ich habe versucht, Musik aus der Blütezeit des alten China mit der modernen Kunstform Oper zu verbinden“, sagt Komponistin Yijie Wang. Dass ihre Oper in China spielt, aber in Europa mit hauptsächlich europäischen Künstlern aufgeführt wird, ist für sie ein interessanter Aspekt ihrer Arbeit. „Ich fühle mich ja selbst“, sagt sie, „als würde ich zwischen diesen beiden Welten stehen.“ Von Anfang an versuchte sie in ihren Kompositionen westliche und östliche Kultur zusammenzubringen. Dass ihr das gelingt, beweisen die vielen Preise und Stipendien, die sie seit vielen Jahren schon für ihre Werke bekommt.

Ost und West treffen in der Oper an unterschiedlichsten Stellen aufeinander. Etwa in dem Schatten, den Librettist und Komponistin sich für Yang Guifei ausgedacht haben. Im zweiten Akt singt der Schatten im Stil der Pekingoper. Dann gibt es Schlagzeug-Passagen, in denen männliche Stimmen chinesische Perkussionsinstrumente imitieren. Dass das klappt, liegt auch an der akribischen Zusammenarbeit von Librettist und Komponistin. Sozusagen Silbe für Silbe sind sie die verschiedenen Textpassagen immer wieder durchgegangen. Eine Audioaufnahme des Textes half der Komponistin schließlich, die richtigen Betonungen der deutschen Sprache umsetzen zu können. Es gibt chinesische Instrumente wie die zweisaitige chinesische Geige – Erhu. Und es gibt östliche Klänge, die auf westlichen Instrumenten gespielt werden.

„Oh-ren ab-ge-schni-tten!“ Countertenor Algirdas Bagdonavicius ist der Eunuch Gao Lishi und steckt mitten in den Proben mit Bettina Rohrbeck, die die musikalische Leitung des Opernprojekts übernommen hat und auch das Gastspiel der Produktion am Theater Kiel dirigieren wird. Die beiden müssen lachen. „Was für ein Text!“ Sie proben das vierte Bild. Der Kaiser ist geflohen. Und Gao Lishi, einst verliebt in Yang Guifei, erzählt ihr erst ausführlich genüsslich, was das Volk ihrem Cousin angetan hat, bevor er sie selbst in den Tod zu treiben versucht. Da wird die Tür aufgerissen und eine junge Frau stürmt in den Probensaal, beginnt noch im Hereinkommen zu singen. Rebekka Reister ist Yang Guifei. Die abgeschnittenen Ohren irritieren auch sie. Aber in der Musik von Yijie Wang, so scheint es, fühlen sich alle drei zuhause. Vielleicht das größte Kompliment für die Künstlerin Yijie Wang, die ja genau das sucht: dass West und Ost sich zusammentun.

„Yang Guifei – Die Konkubine des Kaisers“ – Oper in 4 Bildern
Uraufführung am 23.2.2014, 18 Uhr
junges forum musik & theater – Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Informationen über das begleitende Symposium gibt es hier.
Weitere Aufführungen am 25. / 27.2. / 1.3. (jeweils 19.30 Uhr) und am 2.3. (18 Uhr) in der HfMT
und am 26. und 30.4. (20 Uhr) im Theater Kiel.

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