Zehn Jahre Theaterpreis „Der Faust“

Interview mit Barbara Kisseler

16. November 2015 1:08 Uhr
Barbara Kisseler

Neue Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins: Prof. Barbara Kisseler

Interview: Dagmar Ellen Fischer / Foto: Bertold Fabricius

Am 14. November wurde in Saarbrücken zum zehnten Mal der Deutsche Theaterpreis DER FAUST in acht Kategorien verliehen. Veranstalter sind der Deutsche Bühnenverein, die Bundesländer, die Kulturstiftung der Länder und die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste. Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler wurde im Mai zur neuen Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins gewählt.

Was hat Sie bewogen, die Präsidentschaft des Deutschen Bühnenvereins zu übernehmen?
Als Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins möchte ich eine politische Präsenz für die Interessen der Bühnen herstellen, die über die Feuilletons hinausgeht. Man muss uns hören – nicht nur in den Landesparlamenten, sondern insbesondere auch auf Bundes- und Europaebene. Hier gilt es, nicht nur die bereits vorhandenen und sich möglicherweise noch verschärfenden Schieflagen, die viele Häuser betreffen, deutlich zu machen, sondern auch zu fragen, ob das viel beschworene Land der Dichter und Denker auch bereit ist, die Konsequenzen der andauernden Spardiskussion – nämlich die Verarmung der Theaterlandschaft – zu tragen.

DER FAUST ist undotiert, hat aber Strahlkraft. In der Vergangenheit gab es mitunter Unmut über die Entscheidungen der Jury, sehen Sie in der Zusammensetzung der Juroren eventuell Handlungsbedarf?
Das ist nichts Ungewöhnliches, das über Entscheidungen von Jurys gestritten wird. Das kann auch gar nicht anders sein, weil zum einen Juryentscheidungen immer auch subjektiv sind und zum anderen man über das Theater und einzelne Inszenierungen immer trefflich debattieren kann. Gerade das macht ja auch die Bedeutung des Theaters aus.

Deutschland ist eines der bedeutendsten Theaterländer weltweit, wie ordnen Sie Hamburg in diese deutsche Theaterlandschaft ein?
Hamburg hat eine lange Theatertradition, auf der unsere bemerkenswerte Theaterlandschaft mit den großen Bühnen und zahlreichen kleineren privaten Bühnen fußt. Ich habe den Eindruck, dass sich die Stadt dieser großen Tradition sehr bewusst ist und auch der Bedeutung dieser Theaterlandschaft für den Diskurs in der Stadt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich zum Beispiel der Erste Bürgermeister das Thalia Theater ausgesucht hat, um dort seine Grundsatzrede zur Flüchtlingspolitik zu halten. Die Hamburger – und das ist einfach für uns eine wunderbare Grundlage – lieben ihre Theater.

Bestimmt gibt es besondere Abende, die Sie in einem Hamburger Theater erlebt haben. Welche Inszenierungen mögen Sie als herausragende Bühnenerlebnisse nennen?
Die gibt es auf jeden Fall und auch nicht nur einen! Aber eine Inszenierung wie zum Beispiel „Bei den wilden Kerlen“ am Thalia Theater nach dem Bilderbuch von  Maurice Sendak gehören schon zu den ganz besonderen Erlebnissen – den Titel könnte man schon als Programm für die vielschichtige Arbeit der Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins verstehen. Aber es tut auch sehr gut, den Blick zu weiten. Daher bin ich froh, dass ich durch den Bühnenverein auch die Möglichkeit habe, das „Weltkulturerbe Theaterlandschaft“ intensiver kennenzulernen.

Auch wenn es nicht unheikel ist, eine Vorliebe zu nennen, gibt es vielleicht Ihr Lieblingstheater in Hamburg?
Jedes Theater hat Inszenierungen, bei denen ich am liebsten vor Begeisterung gleich im Theater sitzen bleiben würde, aber auch mal Inszenierungen, die mich nicht erreichen. Meine tiefe Zuneigung zum Theater ist aber in erster Linie durch Schauspieler geprägt, ihre Präsenz, ihre Energie beim Spielen, ihren Witz und ihre Wandlungsfähigkeit. Aber auch hier ist meine Vorliebe-Liste allein für Hamburg schon entschieden zu lang, um sie hier abzudrucken.

Zur Jubiläumspreisverleihung ist Hamburg mit drei Nominierungen dabei, macht Sie so etwas stolz?
Das zeigt mir, dass wir in Hamburg eine wirklich außerordentliche und sehr lebendige Theaterlandschaft haben.

Die Präsidentin kann für sogenannte andere Leistungen, die im Theater Bedeutung haben, einen Preis im Rahmen der FAUST-Verleihung vergeben. Planen Sie, dies (im nächsten Jahr) zu tun?
Ich möchte gerade über diesen Preis, der ja durchaus kontrovers gesehen wird, einfach noch etwas nachdenken dürfen. Zwingend ist er sicher nicht.

Zehn Jahre DER FAUST, was wünschen Sie sich für die Zukunft des Theaterpreises?
Dass die Theater hoffentlich auch weiterhin eine so zentrale Rolle in unserer Gesellschaft spielen werden, so dass es auch künftig schwer fallen wird, unter den vielen ausgezeichneten Leistungen an den Bühnen, die Besten auszuwählen.

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