Anna Gramms Ansichten / Kolumne

Diesmal: „Freie Szene Hamburg“

Text: Tilla Lingenberg

Neulich war ich auf einer Veran­stal­tung mit dem Titel: „Die freie Szene Hamburg formiert sich“. Die Menschen dort umgab Herzens­ei­fer für ihre Kunst, obwohl man eher bezugs­frei in dieser Szene arbei­tet. Da sie sich in ihrem Beruf ehrsam zeigen und nicht Gram herbei seuf­zen woll­ten, mein­ten die Initia­to­ren des Tref­fens: Ein gemein­sa­mer Brief mehre Zusa­gen an Förder­gel­dern. Da man einzeln mit ganzem Feuer bisher wenig erreicht hatte, und nach­dem auch beim Kultur­spon­so­ring Firmen Abzuege sehr konse­quent durch­hiel­ten, hatten die Künst­ler im Februar emsige zehn Punkte heraus­ge­ar­bei­tet (nach­dem eine Umfrage sieb­zehn ergaben).

Die Haupt­these lautete: Was jedem Busfah­rer gezie­men würde, nämlich ein Mindest­lohn, müsse auch für Künst­ler einge­führt werden, denn nur so könne man Beru­fes Ehrgeiz entwi­ckeln und Ruhmes Farbe zeigen.

Als beim Formu­lie­ren der Forde­run­gen in Form eines Mahn­brie­fes zu rege und kontro­vers disku­tiert wurde, stand eine Perfor­mance-Künst­le­rin auf und rief: „Leute, wir sind doch kein armes BH-Unge­zie­fer! Denkt doch nur nicht, dass wir auf so Briefe mehr Zusa­gen bekom­men. Den Poli­ti­kern sind wir so wich­tig, wie denen ein Eisbaer-Furz genehm ist. So bekom­men wir nur wieder eine miese Abfuhr. Grenze ist über­schrit­ten, wir lassen uns nicht länger von denen die Menge Hafer­breis zuteilen, die die da im Rathaus für uns übrig haben.“ Setzend ergänzte sie resi­gniert: „Wenn ich nicht bald greif­bar Muenze seh’, geh’ ich zu RTL als Rumba-Fern­seh-Ziege.“

Einige kicher­ten, aber ich fand es mutig, dass sie sich nicht nur ihrem Seuf­zen ergab.

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