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Pressekrieg gegen Schauspieler und Theater?

Mit Urheberrecht Konten plündern
Pressekrieg

Uner­laub­tes Zitie­ren kommt teuer.

Fast jeder tut es: zitie­ren. Und wenn er’s rich­tig macht, dann unter Angabe der Quelle. So weit, so gut? Irrtum! Zitie­ren kann rich­tig teuer werden, auch wenn man in gutem Glau­ben handelt. So erhielt der Bari­ton Peter Schöne Ende letz­ten Jahres höchst unan­ge­nehme Post. Wie er auf seiner Website mitteilt, forder­ten FAZ und Süddeut­sche Zeitung ihn auf, „vier­stel­lige Summen für die Verwen­dung der über mich in diesen Zeitun­gen erschie­ne­nen Arti­kel zu zahlen“. Nach eini­gen recht­li­chen Bera­tun­gen war der Sänger darauf­hin auch tatsäch­lich 1400 Euro „losge­wor­den“. Dafür, dass er auf seiner Website getan hatte, was land­auf, landab üblich ist: Er hatte unter Angabe der Quelle ohne weite­ren Kommen­tar aus Kriti­ken zitiert, die ihm sein Abend einge­bracht hatte – und genau das ist nicht erlaubt.

Das „Gesetz über Urhe­ber­recht und verwandte Schutz­rechte“ sagt in § 51 über Zitate: „Zuläs­sig ist die Verviel­fäl­ti­gung, Verbrei­tung und öffent­li­che Wieder­gabe eines veröf­fent­lich­ten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den beson­de­ren Zweck gerecht­fer­tigt ist. Zuläs­sig ist dies insbe­son­dere, wenn … Stel­len eines Werkes nach der Veröf­fent­li­chung in einem selbst­stän­di­gen Sprach­werk ange­führt werden.“ Das bedeu­tet im Klar­text, dass Zitie­ren aus Thea­ter­kri­ti­ken nur dann statt­haft ist, wenn man sich mit dem zitier­ten Text ausein­an­der­setzt und ihn seiner­seits in einen eige­nen Text einbet­tet. Zum Beispiel so: „Am Diens­tag kamen zu meiner Auffüh­rung im X-Thea­ter 56 zahlende und 23 einge­la­de­nen Zuschauer. Wie ich zwei Tage später in der Neustäd­ter-Postille lesen durfte, gefiel dem Kriti­ker vor allem meine Mitspie­le­rin. Er schreibt: ‚Im Gegen­satz zu ihrem Kolle­gen war sie wenigs­tens char­mant!‘ Ich habe schon lange nicht mehr so über eine Kritik nach­ge­grü­belt …“ Oder ähnlich.

Fazit: Auch Hambur­ger Schau­spie­ler, Bühnen und Thea­ter­grup­pen soll­ten sich schleu­nigst daran­ma­chen, ihre Websites von „uner­laub­ten“ Zita­ten­schät­zen zu befreien, bzw. die Schätz­chen in geeig­nete Kommen­tar­scha­tul­len zu verpa­cken. – Es sei denn, das Zitat stammt aus unse­rem Hambur­ger Thea­ter­ma­ga­zin GODOT. Dann darf es unter Nennung der Quelle auch weiter­hin ganz kommen­tar­los verwen­det werden.

Text: Oliver Törner
Foto: Torre Aqua c/o Scheune

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