Fliegende Bauten bauen ab und um

10. Juni 2014 17:09 Uhr
Geschäftsführer Guido Marc Gosch baut die Fliegenden Bauten ab

Geschäftsführer Guido Marc Gosch baut die Fliegenden Bauten ab

Text: Dagmar Ellen Fischer | Foto: Lea Fischer

Einmaliges Angebot: Gut erhaltenes Zelt zu verkaufen! Für einen Campingurlaub indes ist das blaue Modell zu geräumig, das die Fliegenden Bauten seit zwölf Jahren bespielen. Ende Mai ging das Musical „Innenkabine mit Balkon“ als letzte Vorstellung über die besondere Bühne an der Glacischaussee. Denn die Fliegenden Bauten suchen ein neues, festes Zuhause.

Der Pachtvertrag zwischen Theaterbetreiber und dem Bezirksamt Mitte wurde 2012 nicht verlängert. Im Nutzungsplan der Stadt ist das Grundstück ohnehin als „Grünfläche ausgewiesen“, und das soll es so bald wie möglich wieder sein: Die rund 3000 Quadratmeter werden Teil der angrenzenden Großen Wallanlagen, die zu „Planten un Blomen“ gehören.
Und wohin fliegen die Bauten? „Wir haben ein Objekt gefunden, das optimal passen würde. Aber noch ist nicht hundertprozentig sicher, ob das finanzielle Volumen ausreicht, um das zukünftige Haus so bespielbar zu machen, wie es sein soll.“ Sagt Guido Marc Gosch, seit 18 Jahren den Fliegenden Bauten in unterschiedlicher Funktion verbunden; zuletzt als Geschäftsführer, der nach einem vergeblichen Rettungsversuch im Herbst 2012 Insolvenz anmelden musste. Seither gilt es, den Schaden zu begrenzen. „Und so lange wie möglich Einnahmen zu generieren, um aus einem laufenden Betrieb den Grundstein für das neue Haus zu legen.“ In Altona soll der künftige Standort sein, doch wo genau, will Gosch nicht verraten; noch gibt es architektonische Details zu klären, bevor ein Mietvertrag unterzeichnet werden kann. Doch die Gerüchteküche brodelt: Von den Zeise-Hallen ist die Rede, und zwar von jenem Trakt an der Friedensallee, in dem bis vor wenigen Monaten noch die Theaterakademie Hamburg ihre Studenten ausbildete. Die Räumlichkeiten mit ca. 2500 Quadratmetern wären ideal, auch passt das Programm der Bauten als eher alternatives Theater besser in diesen Stadtteil. „Wir zeigen außergewöhnliche internationale Produktionen am außergewöhnlichen Ort, Bühnenstücke mit möglichst wenig Sprache, in denen Musik und Artistik durch den Abend führen“. Oder, wie es Gosch mit den drei Ks auf den Punkt bringt: „Körperkunst, Konzert, Kleinkunst“. Sascha Grammel spielte in den Bauten mit seinen Puppen, bevor er Arenen füllte, und „La Soiree“ zeigte im Theaterzelt eine Show, die inzwischen im Sydney Opera House gastiert.
Mit dem sogenannten Neuen Zirkus verfügten die Bauten über ein Alleinstellungsmerkmal in Hamburgs Theaterlandschaft. Doch vielleicht war genau das Instabil-Fliegende des Zirkuszelts nicht allen geheuer, Gosch mutmaßt: „Wir wissen von einer Hemmschwelle des Publikums vor dem Erstbesuch im Zelt, weil wir nach außen vielleicht wie ein konservativer Zirkus wirkten, der möglicherweise falsche Erwartungen weckte.“ Das würde künftig in stabilen Mauern anders sein. Bleiben soll eine Bestuhlung mit Tischen und ein extrem flexibler Bühnenraum, der vom Boden bis zur Decke jede Ebene nutzt. „Wenn alles so klappt wie geplant, können die Bauten im November 2014 mit einem spektakulären Programm in neuer Spielstätte wiedereröffnen!“ Das Zelt jedenfalls wird nicht mehr gebraucht und ist ab sofort zu haben (Anfragen unter mm@die-bauten.de).

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