Pressekrieg gegen Schauspieler und Theater?

Mit Urheberrecht Konten plündern

3. April 2012 23:00 Uhr
Pressekrieg

Unerlaubtes Zitieren kommt teuer.

Fast jeder tut es: zitieren. Und wenn er’s richtig macht, dann unter Angabe der Quelle. So weit, so gut? Irrtum! Zitieren kann richtig teuer werden, auch wenn man in gutem Glauben handelt. So erhielt der Bariton Peter Schöne Ende letzten Jahres höchst unangenehme Post. Wie er auf seiner Website mitteilt, forderten FAZ und Süddeutsche Zeitung ihn auf, „vierstellige Summen für die Verwendung der über mich in diesen Zeitungen erschienenen Artikel zu zahlen“. Nach einigen rechtlichen Beratungen war der Sänger daraufhin auch tatsächlich 1400 Euro „losgeworden“. Dafür, dass er auf seiner Website getan hatte, was landauf, landab üblich ist: Er hatte unter Angabe der Quelle ohne weiteren Kommentar aus Kritiken zitiert, die ihm sein Abend eingebracht hatte – und genau das ist nicht erlaubt.

Das „Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte“ sagt in § 51 über Zitate: „Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn … Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbstständigen Sprachwerk angeführt werden.“ Das bedeutet im Klartext, dass Zitieren aus Theaterkritiken nur dann statthaft ist, wenn man sich mit dem zitierten Text auseinandersetzt und ihn seinerseits in einen eigenen Text einbettet. Zum Beispiel so: „Am Dienstag kamen zu meiner Aufführung im X-Theater 56 zahlende und 23 eingeladenen Zuschauer. Wie ich zwei Tage später in der Neustädter-Postille lesen durfte, gefiel dem Kritiker vor allem meine Mitspielerin. Er schreibt: ,Im Gegensatz zu ihrem Kollegen war sie wenigstens charmant!‘ Ich habe schon lange nicht mehr so über eine Kritik nachgegrübelt …“ Oder ähnlich.

Fazit: Auch Hamburger Schauspieler, Bühnen und Theatergruppen sollten sich schleunigst daranmachen, ihre Websites von „unerlaubten“ Zitatenschätzen zu befreien, bzw. die Schätzchen in geeignete Kommentarschatullen zu verpacken. – Es sei denn, das Zitat stammt aus unserem Hamburger Theatermagazin GODOT. Dann darf es unter Nennung der Quelle auch weiterhin ganz kommentarlos verwendet werden.

Text: Oliver Törner
Foto: Torre Aqua c/o Scheune

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für die Rubrik „Hinter dem Vorhang“! Der Hinweis auf die Fallstricke beim Zitieren war wirklich interessant. Man lernt nie aus.

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