Highlight

In der Wildnis des eigenen Egos
Highlight / Kritik / Schauspiel

In der Wildnis des eigenen Egos

„Vier Männer im Nebel“, Kammerspiele

Der Nebel ist allge­gen­wär­tig in der neues­ten Insze­nie­rung von Michael Bogd­a­nov in den Hambur­ger Kammer­spie­len. Er wabert schon vor dem ersten Auftritt über das kleine Stück­chen Land mit Bäumen, Böschung und hüge­li­gem grünen Wald­bo­den, das ganz natu­ra­lis­tisch auf die Bühne gebaut wurde. Die „Vier Männer im Nebel“, die dem Stück von Tim Firth den Titel gaben, krab­beln dann einer nach dem ande­ren pitsche­pat­schen­ass über die kleine Anhöhe. […]

Tanzen im Schutzraum
Highlight / Kritik / Tanz & Performance

Tanzen im Schutzraum

„Im Aufschwung“, Ernst Deutsch Theater

„Berlin 1938, 9. Novem­ber …“ schreit der junge Tänzer ins Publi­kum. Was dann folgt, heißt „Pogromnacht/Requiem“ und ist die erste eigene choreo­gra­fi­sche Arbeit des Bundes­ju­gend­bal­letts. Drei der acht Tänzer dieser 2011 gegrün­de­ten Junior-Company haben über jene histo­ri­sche Nacht im Natio­nal­so­zia­lis­mus nach­ge­dacht und – unter den Augen von Ballett­meis­ter Kevin Haigen – eine berüh­rende kleine Choreo­gra­fie auf die insge­samt 16 Beine ihrer jungen Truppe gestellt. […]

Gekonnt gewollt
Highlight / Kritik / Schauspiel

Gekonnt gewollt

„Der Kirschgarten“, Kampnagel

Das Schluss­wort hat der uralte Diener Firs (Valen­tin Jeker): „Das Leben ist vergan­gen, als ob es gar nicht da gewe­sen wäre.“ Bis man sich als Zuschauer zu dieser weisen Erkennt­nis hinge­lebt hat, sind über drei Stun­den auf der Bühne prall gefüllt worden. Aber wie am Ende so manchen Lebens stellt sich die Frage: „Und das soll alles gewe­sen sein?“ Es wurde viel und ausdau­ernd geschrien, Porzel­lan zerbro­chen, geweint, fron­tal so manche Anspra­che gehal­ten, ausdau­ernd Unglück zele­briert und Pläne wurden als irrig entlarvt. […]

Dänenkönig als Weib?
Highlight / Kritik / Schauspiel

Dänenkönig als Weib?

„Hamlet“, University Players

Das hat’s alles schon einmal gege­ben. Aber für Mitglie­der einer jungen Studen­ten­ge­nera­tion, die das nicht erlebt haben können, ist eben alles aufre­gend neu, zum Beispiel: Hamlet weib­lich. Die Duse, in tief unter uns liegen­den, schon der Thea­ter­his­to­rie zuzu­zäh­len­den Zeiten, hat „ihn“ gespielt, in den 70er Jahren des 20. Jahr­hun­derts Carmen-Renate Körper, Ende der 90er Angela Wink­ler unter Peter Zadek und gewiss noch viele andere an Betriebs­thea­tern der Provinz, von denen eine über­re­gio­nale Öffent­lich­keit nie etwas erfah­ren hat. […]

Trau, schau, wem!
Highlight / Kritik / Musiktheater

Trau, schau, wem!

„Lear“, Hamburgische Staatsoper

Alt und regie­rungs­müde, so kennt man König Lear aus Shake­speares gleich­na­mi­gem Drama. Der 49-jährige Bari­ton Bo Skov­hus gibt dem Prot­ago­nis­ten in Aribert Reim­ans „Lear“ an der Hambur­gi­schen Staats­oper eine deut­lich andere Färbung: Mitten im Leben stehend teilt der virile Poten­tat sein Reich unter den Töch­tern auf, ausge­rech­net unter Gone­ril und Regan, die ihm Böses wollen, während die ihm wohl­ge­son­nene Corde­lia leer ausgeht. […]

Wo ist der Fehler?
Highlight / Kritik / Schauspiel

Wo ist der Fehler?

„Das erste Mal“, monsun theater

Sie wartet. Er rennt auf die Bühne, kurvt um die 13 Fern­seh­mo­ni­tore herum, die dort stehen, und stürmt auf seine Ange­be­tete zu, einen Strauß roter Rosen in der einen Hand und einen zerknüll­ten Stadt­plan in der ande­ren. Die Begrü­ßung miss­lingt voll­kom­men. Entschul­di­gung, Entschul­di­gung, Entschul­di­gung! Irri­ta­tion auf beiden Seiten. Abschied. Sie lockt ihn zurück. Der Gedulds­fa­den reißt. Sie wird aggres­siv. Er ist verblüfft. Das perfekte erste Mal ist so rich­tig ins Wasser gefal­len. Weitere Anläufe schei­tern. Die Pläne gehen nicht auf. […]

Frei ist, wer frei ist
Highlight / Kritik / Schauspiel

Frei ist, wer frei ist

„Zweimal lebenslänglich“, Altonaer Theater

Elf Männer. Im Leben je ein Schick­sal, auf der Bühne immer ein paar zu viel. Aus Steven Kings Roman­vor­lage „Pin-up“ wird in der Insze­nie­rung von Axel Schnei­der im Alto­naer Thea­ter immer nur dann Thea­ter, wenn sich mindes­tens neun der elf Prot­ago­nis­ten gerade back­stage befin­den. Erst in der inti­men Konfron­ta­tion der Charak­tere wird nach­voll­zieh­bar, worum es in diesem Stück gehen könnte: um das eigene Leben, um Auto­no­mie, Würde und Frei­heit – und den Kampf darum. […]

Mit Melancholie zur Tat
Highlight / Kritik / Schauspiel

Mit Melancholie zur Tat

„Quijote. Trip zwischen den Welten“, Thalia Theater

Ein hohes Lied auf die Fanta­sie: Werdet alle Don Quijote! La Mancha ist Hamburg und euch stehen alle Möglich­kei­ten offen. Während drau­ßen vorm Thea­ter die Occupy-Bewe­gung neue Zelte aufschlägt, wird drin­nen ein verwand­ter Kampf gegen Wind­müh­len beschwo­ren – in einem Bühnen­bild, das stel­len­weise an die Buden drau­ßen vor der Tür erin­nert. […]

Geld regiert die Welt
Highlight / Kritik / Schauspiel

Geld regiert die Welt

„Gethsemane“, Ernst Deutsch Theater

Wohl dem Thea­ter, das ein Stück über die Verqui­ckung von Poli­tik und Wirt­schaft spielt und eine Dreh­bühne hat. Diese Tech­nik eignet sich famos, um das ewige Karus­sell aus Macht und Einfluss, das Poli­tik und Wirt­schaft immer wieder unheil­voll zusam­men­führt, in ein beweg­tes Bild zu fassen. So dreht sich das Bühnen­bild derzeit im Ernst Deutsch Thea­ter Szene für Szene, denn auf dem Spiel­plan steht die deutsch­spra­chige Erst­auf­füh­rung von „Geth­se­mane“, einem Stück über eben dieses Thema von dem renom­mier­ten briti­schen Drama­ti­ker und Dreh­buch­schrei­ber David Hare.

Unterhaltung … mehr nicht!
Highlight / Kritik / Schauspiel

Unterhaltung … mehr nicht!

„Der grosse Gatsby“, Deutsches Schauspielhaus

Es ist nicht recht einseh­bar, welche Krite­rien die (inte­ri­mis­ti­sche) Leitung des Schau­spiel­hau­ses an der Kirchen­al­lee nach dem rüden Weggang des quali­täts- und maßstabs­be­wuss­ten Fried­rich Schir­mer bei der Auswahl ihrer Stücke und daraus entste­hen­der Produk­tio­nen leiten. Das läßt sich seit Beginn dieser ersten „Vertre­tungs-Spiel­zeit“ also mit tiefem Bedau­ern seit dem unver­steh­bar in einer Groß­kü­che ange­sie­del­ten „Cyrano“ konsta­tie­ren. […]