Kritik

Ohne Schere im Kopf
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Ohne Schere im Kopf

Der letzte Programm­punkt der dies­jäh­ri­gen zwei­wö­chi­gen Lessing­tage war zugleich ihr Höhe­punkt: „Made in Para­dise“ von Yan Duyvendak, Omar Ghayatt und Nicole Borgeat führte exem­pla­risch vor, wie Blicke über den kultu­rel­len Teller­rand zu einem Mehr­ge­winn an Erkennt­nis­sen führen können. In ihren fünf Frag­men­ten, die sich das jewei­lige Publi­kum des Abends aus […]

Holzbretter vor den Köpfen
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Holzbretter vor den Köpfen

„Jump“, Fliegende Bauten

Gute Komik ist hohe Kunst. Das wissen jene, die sie beherr­schen. Alle ande­ren ahnen vermut­lich nicht einmal, wovon die Rede ist. Dazu gehö­ren auch die Bühnen­ak­teure von „Jump“. Bis zum 26. Februar gastie­ren sie im blauen Zelt der Flie­gen­den Bauten. […]

Go on Johnny Cash!
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Go on Johnny Cash!

„Die Buchschwester“, Logensaal in den Kammerspielen

Wenn ein langes Musikerle­ben durch die Seiten einer Biogra­fie aufge­blät­tert (wieder) auf die Bühne findet, dann sind wohl die Buch­schwes­tern am Werk. Mit wach­sen­dem Fankreis betrei­ben sie ihre thea­trale Lese­reihe nun schon seit fast einem Jahr. Aktu­ell widme­ten sich Marion Gret­chen Schmitz und Theresa Berlage (als Vertre­te­rin von Susanne Poll­meier) dem großen ameri­ka­ni­schen Sänger Johnny Cash. […]

Menschen, Prinzen, Bürgerliche
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Menschen, Prinzen, Bürgerliche

„Emilia Galotti“, Thalia Theater

Unblu­tig endet Lessings „Emilia Galotti“ im Thalia Thea­ter. Der Hambur­ger Regis­seur Marco Štor­mann insze­nierte das 1772 urauf­ge­führte Drama für die dies­jäh­ri­gen Lessing­tage als unter­halt­sa­mes (Kammer-)Spiel und schickt seine Prot­ago­nis­tin am Ende zur Tür hinaus anstatt ins Jenseits. […]

In der Wildnis des eigenen Egos
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In der Wildnis des eigenen Egos

„Vier Männer im Nebel“, Kammerspiele

Der Nebel ist allge­gen­wär­tig in der neues­ten Insze­nie­rung von Michael Bogd­a­nov in den Hambur­ger Kammer­spie­len. Er wabert schon vor dem ersten Auftritt über das kleine Stück­chen Land mit Bäumen, Böschung und hüge­li­gem grünen Wald­bo­den, das ganz natu­ra­lis­tisch auf die Bühne gebaut wurde. Die „Vier Männer im Nebel“, die dem Stück von Tim Firth den Titel gaben, krab­beln dann einer nach dem ande­ren pitsche­pat­schen­ass über die kleine Anhöhe. […]

Gekonnt gewollt
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Gekonnt gewollt

„Der Kirschgarten“, Kampnagel

Das Schluss­wort hat der uralte Diener Firs (Valen­tin Jeker): „Das Leben ist vergan­gen, als ob es gar nicht da gewe­sen wäre.“ Bis man sich als Zuschauer zu dieser weisen Erkennt­nis hinge­lebt hat, sind über drei Stun­den auf der Bühne prall gefüllt worden. Aber wie am Ende so manchen Lebens stellt sich die Frage: „Und das soll alles gewe­sen sein?“ Es wurde viel und ausdau­ernd geschrien, Porzel­lan zerbro­chen, geweint, fron­tal so manche Anspra­che gehal­ten, ausdau­ernd Unglück zele­briert und Pläne wurden als irrig entlarvt. […]

Dänenkönig als Weib?
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Dänenkönig als Weib?

„Hamlet“, University Players

Das hat’s alles schon einmal gege­ben. Aber für Mitglie­der einer jungen Studen­ten­ge­nera­tion, die das nicht erlebt haben können, ist eben alles aufre­gend neu, zum Beispiel: Hamlet weib­lich. Die Duse, in tief unter uns liegen­den, schon der Thea­ter­his­to­rie zuzu­zäh­len­den Zeiten, hat „ihn“ gespielt, in den 70er Jahren des 20. Jahr­hun­derts Carmen-Renate Körper, Ende der 90er Angela Wink­ler unter Peter Zadek und gewiss noch viele andere an Betriebs­thea­tern der Provinz, von denen eine über­re­gio­nale Öffent­lich­keit nie etwas erfah­ren hat. […]

Wo ist der Fehler?
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Wo ist der Fehler?

„Das erste Mal“, monsun theater

Sie wartet. Er rennt auf die Bühne, kurvt um die 13 Fern­seh­mo­ni­tore herum, die dort stehen, und stürmt auf seine Ange­be­tete zu, einen Strauß roter Rosen in der einen Hand und einen zerknüll­ten Stadt­plan in der ande­ren. Die Begrü­ßung miss­lingt voll­kom­men. Entschul­di­gung, Entschul­di­gung, Entschul­di­gung! Irri­ta­tion auf beiden Seiten. Abschied. Sie lockt ihn zurück. Der Gedulds­fa­den reißt. Sie wird aggres­siv. Er ist verblüfft. Das perfekte erste Mal ist so rich­tig ins Wasser gefal­len. Weitere Anläufe schei­tern. Die Pläne gehen nicht auf. […]

Frei ist, wer frei ist
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Frei ist, wer frei ist

„Zweimal lebenslänglich“, Altonaer Theater

Elf Männer. Im Leben je ein Schick­sal, auf der Bühne immer ein paar zu viel. Aus Steven Kings Roman­vor­lage „Pin-up“ wird in der Insze­nie­rung von Axel Schnei­der im Alto­naer Thea­ter immer nur dann Thea­ter, wenn sich mindes­tens neun der elf Prot­ago­nis­ten gerade back­stage befin­den. Erst in der inti­men Konfron­ta­tion der Charak­tere wird nach­voll­zieh­bar, worum es in diesem Stück gehen könnte: um das eigene Leben, um Auto­no­mie, Würde und Frei­heit – und den Kampf darum. […]

Mit Melancholie zur Tat
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Mit Melancholie zur Tat

„Quijote. Trip zwischen den Welten“, Thalia Theater

Ein hohes Lied auf die Fanta­sie: Werdet alle Don Quijote! La Mancha ist Hamburg und euch stehen alle Möglich­kei­ten offen. Während drau­ßen vorm Thea­ter die Occupy-Bewe­gung neue Zelte aufschlägt, wird drin­nen ein verwand­ter Kampf gegen Wind­müh­len beschwo­ren – in einem Bühnen­bild, das stel­len­weise an die Buden drau­ßen vor der Tür erinnert. […]