Kritik

Boomerang-Kids
Highlight / Kritik / Schauspiel

Boomerang-Kids

„Endlich Alleen!“, Ohnsorg Theater

Den Eltern in der west­li­chen Welt droht ein furcht­ba­res Schick­sal. Die Zahlen sind eindeu­tig. Immer mehr junge Erwach­sene wohnen noch bei ihren Eltern oder kehren nach geschei­ter­ten Bezie­hun­gen oder beruf­li­chem Miss­erfolg ins elter­li­che Nest zurück. 25 Millio­nen erwach­sene Kinder wohnen in den USA noch oder wieder bei ihren Eltern.[…]

Alles wird gleich
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Alles wird gleich

„Die Verschwundenen von Altona“, Thalia in der Gaußstraße

„Hier in Altona sind Aben­teuer und Roman­tik verschwun­den“, klagt der Vater und Toch­ter Fran­ziska will nur noch weg. Eine Fami­lie wehrt sich gegen die schlei­chende Verein­heit­li­chung ihres Stadt­teils, gegen „ein schwam­mi­ges Verschwin­den im Ange­bots-Nirvana“, wie Schorsch Kame­run, Sänger und Autor und Thea­ter­re­gis­seur es ausdrückt, wenn er über seine musik­thea­tra­li­sche Recher­che „Die Verschwun­de­nen von Altona“ spricht. […]

Eine Posse
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Eine Posse

„Gretchen 89ff“, EAT.PLAY.LOVE im Monsun Theater

Die Angst­al­li­anz zwischen Regis­seur und Schau­spie­ler soll genauer unter­sucht werden. Doch gegen ein eindeu­ti­ges Macht­ge­füge spre­chen die detail­lier­ten Unter­su­chungs­er­geb­nisse des Autors Lutz Hübner inner­halb des Mikro­kos­mos Theater. […]

Be(d)rückende Einzelleistung
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Be(d)rückende Einzelleistung

„Wunschkonzert“, Deutsches Schauspielhaus (Rangfoyer)

Eine Frau kommt nach Hause. Sie schal­tet das Licht ein, stellt ihre Einkaufs­ta­sche ab, hängt ihren Mantel säuber­lich an den Haken und räumt den Kühl­schrank ein. Sie durch­blät­tert einige Jour­nale, kocht Tee, deckt den Tisch und schmiert sich ein Schmalz­brot. Hier – nach 45-minü­ti­gem stum­men Spiel – sagt die Frau ihre ersten, ihre einzi­gen Worte: „Schmeckt gut.“ […]

Klaußners Stunde mit Minks
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Klaußners Stunde mit Minks

„Tod eines Handlungsreisenden“, St. Pauli Theater

Sie sind kein „odd couple“, eher ein idea­les Part­ner­paar, der 81-jährige Wilfried Minks und sein Star des Abends, Burk­hard Klauß­ner. Der spielt den Willy Loman, den Hand­lungs­rei­sen­den, der seit 1949 auf zahl­rei­chen inter­na­tio­na­len Bühnen seine Lebens­lüge der „Bedeut­sam­keit des Egos“ aufge­baut hat. Und der demons­triert, wie sein Autor Arthur Miller sich selber bzw. seine These, in jeder Tragö­die müsse es die Möglich­keit des Sieges geben, ad absur­dum führt. […]

Protokoll des Sammlers
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Protokoll des Sammlers

„Herr Dragacar und die goldene Tektonik des Mülls“, Rimini Protokoll auf Kampnagel

Thea­ter kann anstren­gend sein, wenn man die Worte, die gespro­chen werden, nicht versteht, und paral­lel zum türki­schen O-Ton der deut­schen Über­ti­te­lung zu folgen versucht. In K2 auf Kamp­na­gel hatte „Herr Draga­car und die goldene Tekto­nik des Mülls“ Premiere, das Mosaik der Geschichte einer Gruppe von Müll­samm­lern aus Istanbul. […]

Auf schwierigem Terrain
Kritik / Schauspiel

Auf schwierigem Terrain

„The Comedy of Errors“, English Theatre

Shake­speares erster Versuch, eine Komö­die zu schrei­ben, ist eng mit dem Zeit­geist des 16. Jahr­hun­derts verwach­sen. „Die Komö­die der Irrun­gen“ – diese erste Finger­übung des geni­als­ten aller Thea­ter­au­toren auf dem Weg zum „Sommer­nachts­traum“ – kann deshalb heute auf der Bühne kaum noch span­nend reali­siert werden. Dennoch […]

Havarie in ruhigen Gewässern
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Havarie in ruhigen Gewässern

Diplomarbeiten der Theaterakademie Hamburg, Kampnagel

Fünf Diplo­man­ten des Regie­jahr­gangs 2012 haben auf Kamp­na­gel ihre Abschluss­ar­bei­ten unter dem Titel „Hava­rie 2012“ vorge­stellt. Eine Hava­rie der kontras­tie­ren­den Thea­ter­ent­würfe war ange­kün­digt worden. Doch die meis­ten Regisseur/Innen navi­gier­ten ihr Ensem­ble­schiff ruhig und vernunft­ge­steu­ert durch Gewäs­ser der künst­le­ri­schen Möglichkeiten. […]

Horizont verstellt
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Horizont verstellt

„Fleisch ist mein Gemüse“, Deutsches Schauspielhaus

Heimat ist, wenn einer ins Thea­ter geht und hinter­her versteht er die Welt. Hamburg-Harburg (Binde­strich, nicht „minus“), im Schat­ten der Phoe­nix-Werke (hier, histo­risch gese­hen, doch „minus“) Zwer­gen­häu­ser. Wer hier in der ersten Hälfte der 60er auf die Welt kommt, ist zu spät gebo­ren für Utopien und zu früh, […]

Mord trifft Korruption
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Mord trifft Korruption

„Schuld und Sühne“, Monsun Theater

Zeich­net den besse­ren Menschen aus, dass er sich über das Gesetz stel­len darf, dass es Situa­tio­nen gibt, in denen eine solche Grenz­über­schrei­tung sogar notwen­dig wird – nicht um des eige­nen Vorteils willen, viel­mehr zum Fort­be­stand der Gemein­schaft? Eine ange­sichts der Korrup­ti­ons­kul­tur in Deutsch­land aktu­elle Frage. Im Monsun Thea­ter Altona hatte Dosto­jew­skis „Schuld und Sühne“ nun aller­dings ohne heutige Bezüge Premiere. […]